BDSM Modelle: SSC, RACK, PRICK, CIS & DEBRIS

24. Juni 2021

Wenn du dich mit BDSM auseinandersetzt, hast du sicherlich bereits mindestens einen dieser Begriffe gelesen oder gehört. Die kryptischen BDSM Akronyme stellen jeweils verschiedene Modelle dar, nach denen BDSM gelebt werden kann.

SSC (Safe, Sane and Consensual, zu Deutsch: Sicher, mit gesundem Menschenverstand und einvernehmlich) ist eins der bekanntesten Akronyme. Die anderen drücken auf ähnliche Weise aus, was beim BDSM erlaubt sein sollte und was nicht.

Welches der Modelle du wählen solltest hängt zum einen von deinen philosophischen Vorstellungen ab und zum anderen von deiner Risikobereitschaft. Lies den Rest vom Artikel um zu lernen was die Unterschiede zwischen den einzelnen Modellen sind.

Über die verschiedenen Modelle

Einige böse Zungen behaupten, all diese Begriffe wären verschiedene Arten um dasselbe zu beschreiben. Ich muss zustimmen, dass alle Begriffe dieselbe Thematik erklären, aber mit unterschiedlichen Sichtweisen.

Es gibt auch ziemlich viele Überschneidungen (wie zum Beispiel das Element der Einvernehmlichkeit), trotzdem gibt es definitiv Unterschiede. Sonst bräuchte ich ja auch keinen ganzen Artikel darüber zu schreiben.

Das Auseinandersetzen mit den Begriffen wird dir vermutlich trotzdem helfen Konsens / Einvernehmlichkeit, Verantwortung und Gefahren besser zu verstehen und einzuschätzen.

SSC - Safe, Sane and Consensual

Von den drei Elementen safe, sane und consensual sind zwei ganz einfach zu übersetzen. Safe bedeutet sicher, consensual bedeutet einvernehmlich (auf Konsens beruhend).

Sane kann man gut mit "mit gesundem Menschenverstand" übersetzen, im Gegensatz zu "wahnsinnig".

SSC ist eine der bekanntesten Definitionen. Es leben zwar viele BDSMler nach SSC, doch ein berechtigter Kritikpunkt an dem safe Teil beruht darin, dass die allermeisten Praktiken beim BDSM nicht 100% sicher sind.

RACK - Risk-Aware Consensual Kink

RACK steht für Risk-Aware Consensual Kink. Auf Deutsch etwa "Risikobewusste, einvernehmliche Vorliebe". Das RACK Modell setzt also genau an der Stell an, an der SSC viel Kritik erfährt.

Es geht beim RACK also auch um Konsens, aber im Gegensatz zum SSC wird hier ganz deutlich, dass es nicht 100% sicher geht. Das Risiko wird bewusst gemacht, damit keine falsche Annahme von Sicherheit entsteht.

Was nicht aus dem Namen hervorgeht: Indem man sich die Risiken bewusst macht, kann man sie deutlich einfacher minimieren. Beispielsweise gibt es beim Waxplay die Gefahr von Verbrennungen. Indem man dieses Risiko ganz bewusst wahrnimmt, kann man es minimieren, indem man das richtige Wachs auswählt und die Höhe zum Heruntertropfen des Wachses richtig auswählt.

PRICK - Personal Responsibility, Informed Consensual Kink

Dieses ausgesprochen... delikate... Akronym besteht aus 3 Teilen. Personal responsibility weist darauf hin, dass es in der persönlichen Verantwortung von jedem Teilnehmer liegt, zu bestimmen was in Ordnung ist und was nicht.

Die anderen Modelle schließen das nicht aus, sie treffen darüber einfach nur keine Aussage. Informed steht dafür, dass es wichtig ist sich zu informieren über die Praktiken, die man vorhat. Man sollte die Risiken und Gefahren kennen und wissen wie man mit verschiedenen Szenarien umgeht.

Das Element der Einvernehmlichkeit wird auch bei diesem Modell mit Consensual hervorgehoben. Kink bedeutet einfach nur Vorliebe und bezieht sich auf die beiden Wörter davor.

Auch hier wird das "Safe" nicht erwähnt. Es liegt in der persönlichen Verantwortung jedes Teilnehmers und aus der Einvernehmlichkeit und dem informiert sein geht hervor, dass jeder Teilnehmer sich mit den Risiken und Gefahren befasst hat und diese akzeptiert.

CIS - Complete and Irrevocable Submission

Hier das erste Modell bei dem Einvernehmlichkeit keins der hervorgehobenen Bestandteile ist. Complete and Irevocable Submission heißt auf Deutsch komplette und unwiderrufbare Unterwerfung. Es geht also darum, einmal zu Beginn den Konsens abzufragen, mehr oder weniger die Erlaubnis zu bekommen Sub fürs restliche Leben zu dominieren.

Häufig (aber nicht immer) wird Sub beim CIS lediglich als Sklave / Objekt ohne Rechte und ohne Bedürfnisse behandelt.

Wie du dir vermutlich schon denken kannst, ist dieses Modell eins der am häufigsten kritisierten Modelle. Denn es gibt zwar eine Form von Einvernehmlichkeit, diese ist aber in Form einer irreversiblen Entscheidung seitens Sub realisiert.

Das häufigste Argument gegen dieses Modell ist der Fakt, dass Menschen sich generell oft nicht über die Tragweite solcher Entscheidungen bewusst sind, selbst wenn die Bedingungen genau gleich bleiben.

Dazu kommt, dass sowohl die Anforderungen von Sub an sich selbst, sein Leben, seine Karriere etc. sich ändern können, als auch dass das, was Dom möchte, sich ändern kann. Es sind also genau genommen keine festen Bedingungen denen Sub zustimmt.

Die häufigste Verteidigung gegen dieses Argument ist, dass Menschen in Ihrem Leben häufig Verträge eingehen, die eine Tragweite von vielen Jahren haben und Verpflichtungen mit sich bringen, die zu diesem Zeitpunkt schlecht abzuschätzen sind.

Es sei darauf hingewiesen, dass das CIS Modell vor allem in der Fantasie und für Geschichten interessant ist, in der Realität aber auch kaum auszuleben ist. Es ist auch laut deutschem Recht gar nicht möglich einen Vertrag zu konstruieren, der Dom die nötigen Rechte geben würde und gültig ist.

DEBRIS - Domination Enhanced Beyond Rule Induced Superiority

Interessant an diesem englischen Begriff ist, dass man bei der Recherche keine englischsprachigen Seiten findet, lediglich deutschsprachige.

Das DEBRIS Modell teilt viele Aspekte mit dem CIS Modell, es lässt sich aber vom CIS durch die Einvernehmlichkeit unterscheiden. Sub trifft keine unwiderrufbare Entscheidung, sondern kann jederzeit gehen.

Es gibt wie beim DEBRIS kein Mitspracherecht nach der initialen Einwilligung, sprich kein "Das ist für mich zu viel" oder "Diese eine Praktik mag ich nicht", sondern lediglich die Entscheidung zu gehen oder zu bleiben. Detaillierteres über DEBRIS findest du in diesem sehr gut geschriebenen Artikel auf SMoRuN.

Wie auch in diesem Artikel erwähnt wird, bekommt auch DEBRIS viel Kritik was die Einvernehmlichkeit und Gesundheit der devoten Person angeht.

Persönliche Meinung

Ich trenne gerne Definitionen / faktische Tatsachen von meiner eigenen Meinung, damit du das, als jemand der so etwas zum Lernen liest, das auch gut trennen kannst.

Ich wurde schon einige Male gefragt, nach welchem der Modelle ich lebe. Bei mir und meiner Partnerin hat es sich ergeben, dass wir auch Dinge tun, die für SSC vermutlich nicht mehr akzeptable sind. Es ist nicht alles 100% sicher, sondern wir sind uns über Risiken bewusst und leben damit nach RACK. Das ist auch gut so, denn meiner Meinung nach würden 90% der Sachen wegfallen, wenn man nur 100% sichere Dinge tun darf. PRICK wäre vermutlich auch zutreffend, aber RACK trifft es eher, da bei uns häufig die Verantwortung mehr bei mir liegt.

CIS und DEBRIS sind für meine Sub einfach zu große Eingriffe in Ihr Leben. Sie hat viel vor und möchte etwas erreichen - ich möchte ihr da auch nicht im Weg stehen, im Gegenteil, ich möchte sie eher noch fördern dabei. Das Ganze wäre mit CIS oder DEBRIS nicht vereinbar.

Den Reiz hinter CIS und DEBRIS kann ich verstehen, in der Fantasie gefällt es mir auch Sub so unter Kontrolle zu haben. Die Konsequenzen für Sub sind allerdings für mich nicht in Ordnung, daher wird es bei mir auch nur eine Fantasie

Relevanz solcher Begrifflichkeiten

An sich sind diese Modelle dazu gedacht zu lernen was in Ordnung ist und was nicht. Im Normalfall wird das nicht bei der Partnersuche angesprochen, um die Kompatibilität zu prüfen.

Wie genau die Machtverhältnisse aussehen kristallisiert sich häufig nach einer Weile heraus und muss natürlich individuell in jeder Beziehung von den Teilnehmern akzeptiert werden.

Lucifer

Hey, ich bin Lucifer 🙌 Hier auf bdsm-world verfasse ich Artikel um Lesern BDSM näher zu bringen!

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