Als ich mit BDSM angefangen habe, fragte ich mich, wann man in einer BDSM-Beziehung bereit für TPE ist. Denn es braucht eine sehr große Menge an Vertrauen um TPE zu leben.

Der Dom in der TPE-Beziehung sollte ein sehr verantwortungsvoller Mensch sein. Dabei sollte eine Beziehung nie mit TPE beginnen, sondern sich langsam dazu entwickeln.

Was ist TPE?

TPE ist die Abkürzung für Total-Power-Exchange, also eine totale Machtabgabe. Viele Menschen die BDSM mögen, interessiert auch der Reiz 100 % der Macht abzugeben / zu bekommen. Dabei geht es im Normalfall darum, dass Dom über Sub verfügt. Egal zu welcher Uhrzeit und egal wo.

Es liegt in der Verantwortung des Doms, Sub nicht an wichtigen Orten abzulenken. Beispielsweise wäre es unverantwortlich vom Dom, wenn Sub während der Arbeit/Schule/Uni etwas tun muss, dass ihn/sie ablenkt.

Der Reiz liegt darin begründet, dass Sub nicht einmal mehr entscheiden darf, wann eine Session beginnt. Manche Menschen verbinden auch finanzielle Macht mit TPE, das ist aber nur ein kleiner, oftmals nicht vom Dom genutzter, Bereich des TPE. Ich verlange beispielsweise nie Geld von meiner Sub, das gefällt mir eben nicht.

Die Verantwortung die mit der ganzen Macht kommt, beschränkt sich dann auch nicht mehr nur auf Sexuelles. Zum Beispiel kümmere ich mich auch darum, dass meine Sub einen bestmöglichen Studienplatz bekommt und darum, dass sie gesund bleibt.

Auf asexuellen Eben harmonieren

Um TPE mit dem Partner ausleben zu können ist es wichtig, dass man sich auch auf der asexuellen Ebene gut versteht. Man sollte auch mal spaßen können und sich wie einfache Freunde benehmen können.

Viele stellen sich TPE vielleicht so vor, dass Sub Dom niemals mit dem Namen ansprechen darf. Das ist aber nicht unbedingt so, es ist sogar eher die Ausnahme.

Meine Sub darf mich in der Öffentlichkeit immer mit meinem Namen ansprechen und selbst wenn wir alleine sind verlange ich nicht immer „Herr“ oder ähnliche Anreden. Genauso darf meine Sklavin auch Witze über mich machen, wie man das unter Freunden kennt.

Wenn man hingegen außerhalb des Sexuellen keine Gemeinsamkeiten hat, dann wird die Dom-Sub Beziehung schnell langweilig. Dadurch kann die Beziehung scheitern, auch BDSM wird das Scheitern nicht verhindern.

Im Grunde genommen verhält es sich ähnlich wie bei Vanilla-Beziehungen: wenn du zwischenmenschlich nicht auf einer Wellenlänge mit deinem Partner bist, dann hält das ganze nicht lange. Nur mit dem Unterschied, dass Verletzungen beim BDSM und TPE nicht zu unterschätzen sind.

Großes Vertrauen

Für eine Beziehung sollte Vertrauen vorhanden sein. Ganz klar. Aber beim BDSM ist noch mehr Vertrauen erforderlich, als bei einer normalen Beziehung bereits nötig ist.

Beim TPE jedoch muss noch mehr Vertrauen herrschen. Denn beim Total Power Exchange wird eben die gesamte Macht abgegeben und so was macht man natürlich nicht bei einer Person der man nicht vertraut.

Du solltest deinem Partner also blind vertrauen können. Dein Leben in seine / ihre Hände legen und trotzdem entspannen und ruhig schlafen können.

Ein gutes Vorbild

Dom hat in einer BDSM Beziehung sowieso – aber gerade in einer BDSM Beziehung mit TPE –  eine Vorbildfunktion. Um ehrlich und fair zu sein: es existieren mehrere Meinungen zu dem Thema in der Szene.

Eine Meinung besagt, dass Dom auch z.B. (ich überspitze es jetzt natürlich) arbeitslos, drogensüchtig und obdachlos sein kann und trotzdem ein „guter“ Dom sein kann.

An und für sich ist es ja auch nicht nötig eine Arbeit zu haben oder eine Unterkunft zu besitzen um ein Dom zu sein.

Eine andere Meinung (diese Meinung teile ich übrigens) besagt, dass solche Doms für Sub kein gutes Vorbild sind. Sie sollten nicht mehr Verantwortung übernehmen, als sie überhaupt tragen können.

Wer mit der Verantwortung eines Lebens überfordert ist, der sollte nicht noch ein zweites Leben verantworten müssen.

Wieder ein Beispiel: Unter anderem bin ich ein Mensch, der ziemlich produktiv ist, auch in der Freizeit. Ich möchte gerne meiner Sub ein gutes Vorbild sein und versuche ihr beizubringen, dass Produktivität und Fleiß (wenn an der richtigen Stelle eingesetzt) sich oft auszahlen.

Es ist klar, dass Sub sich immer an Dom orientieren wird, gerade wenn TPE im Spiel ist. Dom kann gar nicht „kein Vorbild“ sein, er ist entweder ein gutes Vorbild oder ein schlechtes Vorbild.

Lust auf TPE

Es kann niemand zu TPE gezwungen werden. Weder Dom, noch Sub.

Sollte Sub keine Lust auf TPE haben, dann wird Sub im Alltag bei asexuellen Anweisungen eher genervt sein. Subs die nicht im Alltag herumkommandiert werden wollen haben irgendwann die Nase voll von ihrem Dom.

Wenn Dom keine Lust auf TPE haben sollte, dann wird er entweder von Anfang an „Nein“ sagen oder er wird seine Aufgabe nicht ernst genug nehmen und einfach nur zwischen durch einige Anweisungen in den Raum werfen um es „TPE“ zu nennen.

Sowohl Dom als auch Sub sollten also auch TPE bewusst wollen. Wenn du, dein Partner oder ihr beide nicht sicher seid, ob euch das gefällt, dann empfehle ich Folgendes:

Probier‘ TPE einfach aus und schaut, ob die oben erwähnten „Symptome“ auftreten. Wenn das passiert, dann wisst ihr, dass TPE nichts für euch ist. Wenn nichts dergleichen passiert, dann schaut es gut aus!

Zusammenfassung

Abschließend kann ich dir ans Herz legen, dass du TPE nur mit einer Person auslebst, die…

  • … du auch als Person an sich magst (wie einen Freund).
  • … dein uneingeschränktes Vertrauen genießt.
  • … ihr eigenes Leben im Griff hat.
  • … TPE mag / Lust auf TPE hat.

Ansonsten sind körperliche Verletzungen wohl das kleinste Problem, mit dem du rechnen solltest. TPE hört sich wie ein sehr verlockender Traum für manche Subs an, aber genau das ist es dann oftmals auch: ein verlockender Traum, aber nichts, was in der Realität genau so erregend ist wie in der Vorstellung.

Das gleiche gilt auch andersrum für die Doms. Die massive Verantwortung ist nicht für jeden etwas, auch wenn Total Power Exchange sich sehr interessant anhört. Für Doms mit Interesse: Ich habe ein kostenloses 7-Tage-Training zum guten Dom geschrieben, das für komplette Neulinge, aber auch Anfänger geeignet ist.


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