Was sind BDSM Strafen und wie setzt man sie richtig ein?

bdsm 30. Jan. 2018

Im BDSM fallen immer wieder die Begriffe “Strafe” und “Disziplinierung” oder “Erziehung”. Viele verstehen das Prinzip von Strafen jedoch falsch.

Ein Teilaspekt vom BDSM bildet „Discipline“, also Disziplinierung.  Nicht jeder mag Strafen, für viele ist es unabdingbares Muss. Aber Strafen sind nicht gleich Strafen. Es ist wichtig Strafen richtig einzusetzen, denn Strafen sind da um Verhaltensänderungen hervorzurufen.

Chichibi beschäftigt sich schon lange mit dem Themen BDSM, DDLG und ähnlichem. Auf gutefrage.net beantwortet sie zu diesen Themen viele Fragen und hat sich schon einen Namen gemacht. Für bdsm-world.net hat sie diesen wunderbaren Gastartikel über Discipline und Strafen geschrieben. Lies weiter, damit du lernst wie du Strafen richtig einsetzen kannst.

Funishment vs. Punishment

Ganz häufig liest man die Frage: Dürfen Strafen eigentlich Spaß machen? Kann man dann noch von Strafen sprechen? – Deswegen unterscheidet man auch gerne zwischen Spaß-Strafen (im amerikanischen auch: Funishment) und ernsten Strafen (Punishment).

Bei Spaß-Strafen steht, wie man sich denken kann, der Spaß im Vordergrund. Sub provoziert vielleicht gerne mal und ist aufmüpfig. Das gibt einen wundervollen Grund für Dom, seine Sub zu züchtigen. Wenn er fies ist, kann er aber auch eine Aufgabe stellen, die Sub gar nicht lösen kann oder er greift so weit ein, dass sie eben scheitert. So kann er z. B. Sub befehlen, in einer Stellung zu bleiben und sich nicht zu bewegen, fängt dann aber an, sie durchzukitzeln.

Im Gegensatz dazu stehen echte Strafen, die eine nachhaltige Veränderung des Verhaltens von Sub bewirken sollen. Strafen sollen ein Umdenken bewirken. Der Wunsch nach Erziehung ist durchaus ernst, Strafen helfen Sub dabei, sich selbst einen Fehler zu verzeihen oder sich zu vergewissern, dass Dom die Erziehung genauso ernst nimmt. Strafen können auch dazu dienen, eine Schuld abzugelten. Sub macht einen Fehler, Dom straft, Dom verzeiht Sub, Sub verzeiht sich selbst, und dann ist alles vergeben und vergessen.

Es ist in dieser Hinsicht sehr wichtig, dass Sub immer weiß, wann sie wirklich etwas falsch getan hat und wann Dom Sub einfach nur ärgern möchte. Zu häufig sieht man, wie Doms Gründe suchen, um Sub zu bestrafen. Man sollte Sub nur bestrafen, wenn man eine direkte Verhaltensänderung wünscht.

Wenn man lediglich Sub quälen oder foltern möchte, sollte man das auch so kommunizieren, damit Sub sich nicht schlecht fühlt und nicht denkt, dass sie etwas falsch gemacht hat (und damit denkt, dass sie ihr Verhalten ändern soll).

Wie kann eine Strafe aussehen?

Strafen passieren oft eine Form von körperlicher Züchtigung. Beliebt sind das klassische Spanking – mit der Hand oder einem Stock, über einen Bock gebeugt oder wie auch immer gefesselt. Schläge auf Fußsohlen (Bastonade) können Schmerzhaft, aber auch lustbereitend sein. Sexuelle Dienste oder auch ein Orgasmusverbot können Sub dazu bringen, „über ihr Fehlverhalten nachzudenken“.

Wenn es um echte Strafen geht, ergibt es natürlich wenig Sinn, einen Masochisten übers Knie zu legen und ihren Po zu versohlen. Aber auch für Masochisten gibt es Schmerzen, die sie nicht in Lust umwandeln können 😉

Strafen müssen aber nicht immer Schläge und Schmerzen sein. Manchmal ist es effektiver, Maso-Sub für eine Weile eben NICHT zu schlagen, sie etwas Ekliges tun lassen, sie in eine Ecke zu stellen, Fernseh-Verbot, früh ins Bett schicken usw. Viele Paare ziehen es vor, wenn die Strafe zum Vergehen passt, damit sie für Sub stets nachvollziehbar ist. Man spricht hier auch von Konsequenzen. Die Möglichkeiten sind unbegrenzt und der Fantasie überlassen, aber natürlich nur in dem Rahmen, in dem Sub eingewilligt hat. Wenn man BDSM rein sexuell lebt, und mehr nicht erwünscht ist, sollte man natürlich auch die Strafen in diesem Rahmen halten.

Übrigens kann auch eine echte Strafe, die als sehr unangenehm empfunden wird, trotzdem irgendwie erregen. Oft ist es dann einfach die spürbare Konsequenz des Doms, das Wissen, dass er die Strafe trotz allem Leid eiskalt durchzieht. Da kann Dom als Strafe wählen, was er möchte und Sub wird trotzdem erregt.

14 Strafen für deine Sub – hier findest du mehr Ideen für Strafen

Was ihr bei Strafen grundsätzlich beachten müsst

GANZ WICHTIG:

Lasst euch bitte nicht auf Strafen ein, wenn ihr kein gutes Gefühl habt. Sprecht vorher unbedingt ab, was in welcher Form gewünscht ist! Sprecht auch nach den Strafen, ob für beide Beteiligten wieder alles OK ist. Wenn nicht, besteht hier dringender Handlungsbedarf und man sollte ggf. sogar erst mal auf Strafen verzichten.

Man kann seiner Sub ernsthaften psychischen Schaden zufügen, wenn man unvorsichtig ist. Viele Subs haben sowieso ein sehr schlechtes Gewissen, wenn sie etwas falsch gemacht haben. Da sollte man als Dom auch ruhig mal zeigen, dass man das selbst nicht schlimm fand.

Leider gibt es viele TrashDoms, die Sub mit Ignorieren strafen oder auch nach einer Strafe nicht verzeihen. Subs Selbstwertgefühl geht dadurch total in den Keller, gibt sich an allem die Schuld. Die meisten empfinden das als Liebes-Entzug und als Psychoterror. Liebe Doms, tut eurer Sub sowas nicht einfach an!

Die richtige Erziehung durch Strafen und Belohnungen

Wer sich tatsächlich damit auseinandersetzen möchte, wie Bestrafungen und Belohnungen das Verhalten von Sub nachhaltig verändern können, der sollte sich mit der operanten Konditionierung vertraut machen.

Vielleicht nicht für jeden interessant, es gibt natürlich auch BDSMer, die BDSM nur im Bett und nur für Spaß machen, dennoch hat es einen Reiz, sowohl für Sub als auch für Dom, wenn die Erziehung Sub maßregelt und effektiv Sub sich im Verhalten an Dom anpasst.

Ich meine… Wem gefällt es nicht, wenn man merkt, dass Sub tatsächlich immer mehr das tut, was man möchte? Oder für Subs: Wem gefällt es nicht zu wissen, dass Dom durchzieht, was er predigt und dass Dom einen nach seinen Vorgaben und Wünschen formt?

Eine effiziente und funktionierende Erziehung ist aber nicht einfach. Auf folgendes musst du als Dom achten, damit alles passt:

Konsequent sein

Viele Doms predigen zig Regeln und ziehen die Bestrafung dann aber nicht konsequent durch. Als Dom geht es nicht darum, Sub mit Regeln bei Laune zu halten. Du solltest eine Regel nur aufstellen, wenn du wirklich nicht möchtest, dass Sub die Regel bricht.

Wenn Sub diese Regel doch bricht und du bestrafst Sub nicht oder nicht richtig, dann wird Sub daraus lernen, dass man damit nunmal durchkommt. Du möchtest aber, dass Sub lernt, dir zu gehorchen.

Also solltest du nur Verbote / Regeln aufstellen, die du auch durchziehst. Nicht halb, nicht manchmal, sondern immer. Mache keine falschen Androhungen für Strafen, wenn du sie nicht durchziehst.

Nicht zu lange warten mit der Strafe

Du solltest nicht zu lange warten mit dem bestrafen. Wenn du einige Tage wartest, bevor du die Bestrafung vollziehst, dann verliert die Strafe im psychologischen Sinne die Verbindung zum Vergehen und die gewünschte Verhaltensänderung wird nicht stattfinden.

Ich weiß, dass viele Ihre Sub nicht durchgehend sehen und damit bestrafen können, aber auch über die Ferne funktionieren einige Bestrafungen (siehe Bestrafungsideen).

Strafe sollte mit dem Vergehen zusammenhängen

Am besten funktionieren Strafen, wenn sie mit dem Vergehen zusammenhängen. Das heißt, wenn sie einen Orgasmus hatte, obwohl sie keine Erlaubnis dazu hatte und eigentlich eine Erlaubnis dazu braucht, dann wähle als Strafe lieber Keuschheit oder Teast & Denial anstelle von Fernsehverbot oder Spanking.

Eine zum Vergehen passende Strafe zu finden funktioniert nicht immer, aber es ist definitiv in vielen Fällen möglich. Du wirst sehen, dass Strafen viel effektiver funktionieren, wenn sie zum Vergehen passen.

Woran erkennt man, was für Sub eine echte Strafe ist und was Spaß macht?

Es ist wie bereits oben erwähnt gut möglich, dass beispielsweise Spanking für eine Sub eine echte Strafe ist, während es für einen anderen Sub zum Beispiel eine Belohnung ist, beziehungsweise etwas, woraus er Lust gewinnt.

Es ist wichtig zu wissen, was von den Aktionen die man als Dom ausprobiert bei Sub als Strafe wirken und welche eher als Funishment.

Um das zu unterscheiden, solltest du dir genau die Reaktionen von Sub anschauen. Subs können extrem gute Schauspieler sein, aber du solltest an Mimik, Stimme und auch Verhalten erkennen können, ob sie zum Beispiel erleichtert sind, sobald du die Bestrafung bekannt gibst.

Auch während der Bestrafung selbst kann man oft erkennen, ob Sub eher Spaß dabei hat oder ob es Sub eher bestraft. Das ist nicht immer einfach, aber wenn du deine Sub kennst, sollte das nach einigen Malen klar sein.

Mit diesem Wissen kannst du dann bewusst Punishments auswählen, wenn du Punishments brauchst und Funishments auswählen, wenn du Funishments brauchst.

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Lucifer

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