BDSM ist in aller Munde. Spätestens seit Fifty Shades of Grey verfilmt wurde, hat jeder davon gehört. Und jedem gefällt das anscheinend, oder? Von einem reichen Mann, der auch noch attraktiv aussieht und sich charakterlich gut benimmt angetan zu sein, hat jedoch nichts mit BDSM zu tun. Auf die Frage „Was ist BDSM?“ und auf weiterführende Fragen bekommst du in diesem Artikel eine Antwort.

Beim BDSM geht es um größtenteils um ein Machtgefälle und Sadomasochismus, also Schmerzen. Bondage ist oft ein Werkzeug um das Machtgefälle herzustellen, Demütigungen und Erniedrigungen können das jedoch auch. BDSM wird auch häufig als Überbegriff für andere Neigungen wie zum Beispiel DDLG benutzt.

Was ist bdsm – Allgemeines

Disclaimer: Gerade BDSM ist sehr facettenreich und lässt sich nicht eindeutig definieren. Hinter jeden Satz aber „meistens“ oder „oftmals“ zu setzen empfinde ich als nicht sehr leserfreundlich. Daher hier einmal die Warnung: Ich versuche eine möglichst einfache und allgemeine Erklärung zu schreiben, ich erläutere nicht alle Bereiche des BDSM und dieser Artikel hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Der Begriff BDSM wird auch oft als Oberbegriff für konkretere Vorlieben wie Petplay oder DDLG genutzt. Hier in diesem Artikel soll es darum gehen, was BDSM an sich ist.

BDSM ist die Kurzform für Bondage, Discipline, Sadism and Masochism. Diese Wörter bedeuten übersetzt Fesseln, Disziplin, Sadismus und Masochismus. Beim BDSM geht es größtenteils um ein Machtgefälle und Sadomasochismus, also Schmerzen. Um die Frage „Was ist bdsm?“ zu beantworten schauen wir uns also genauer an, was diese Wörter bedeuten.

Dominanz und Devotion

Beim BDSM gibt es immer einen Dom und einen (oder auch mehrere) Sub(s). Dom ist die dominante, bestimmende Person, Sub ist die devote, unterwerfende Person (engl. submissive).

Devot ist ein ziemlich selten benutztes Wort, daher die Erklärung: es ist ungefähr eine Zusammenfassung der Wörter „unterwürfig“, „schüchtern“ und „gehorsam“. Das Wort dominant bedeutet „bestimmend“, „selbstbewusst“ und „führend“.

Devotion

Die devote Person gibt freiwillig Macht an den Dom. In einer optimalen Sub-Dom Konstellation tut Sub was sie tut, nicht weil sie viel Angst vor den Strafen hat, eher weil Sub nicht möchte, dass ihr Dom enttäuscht von ihr ist. Das, zum Beispiel, ist ein typischer devoter Charakterzug / eine typische devote Handlungsweise.

Sub möchte Dom zufriedenstellen, ihn glücklich machen und es gefällt ihr sich ihm zu unterwerfen. Devotion sollte etwas sein, dass man als dominante Person schätzt und mag.

Dabei unterscheiden sich Subs auf verschiedenen Dimensionen:

Zum Beispiel gibt es Subs die sehr bratty sind und welche, die sehr brav sind. Brats sind Subs, die frech sind, absichtlich nicht gehorsam sind und oftmals von Dom gezwungen werden wollen. Brave subs sind das genau Gegenteil, sie sind brav und tun was Dom ihnen sagt meistens ohne Widerworte. Eine andere Dimension, in der sich Subs unterscheiden können, ist die „kinky“-ness. Also wie kinky ist die Person. Mag Sub nur normalen Sex eben härter und mit einem dominanten Partner oder steht Sub auf verschiedene Dinge, die zum Beispiel Oral-Sex, Füße, Petplay, die Liste geht ins unendliche weiter.

Es gibt noch mehr Dimensionen, in denen Subs sich unterscheiden können. Was aber wichtiger ist als zu wissen, welche das sind, ist zu wissen, dass subs sich in den seltensten Fällen genau auf einer Seite befinden. Oft ist die Sub zum Beispiel nur etwas kinky. Oder eben bisschen bratty. Subs sind verschieden, das ist wichtig zu wissen!

Dominanz

Dom hingegen, bekommt mit der ganzen Macht die er bekommt, gleichzeitig sehr viel Verantwortung. Gerade Fesseln zum Beispiel ist nicht ungefährlich, schau dir gerne an worauf man beim bondage achten muss. Daher empfehle ich ausdrücklich, dass sich gerade der Dom gut einlesen sollte. Hierfür habe ich extra ein kostenloses 7 Tage Online Training zum guten und erfolgreichen Dom geschrieben, ich empfehle es allen die sich noch nicht 100% auskennen. Weiterhin sorgt sich Dom für das Wohlergehen seiner Sub. Sie ist sein wertvollster Besitz und er kümmert sich um sie nach besten Kräften.

Er hat die Verantwortung einzuschätzen was seine Sub verträgt und was nicht. Wenn er einen Fehler dabei macht, dann ist er dafür verantwortlich, daher informiert sich ein guter Dom vorher über sogenannte „tabus“ der Sub. Grundsätzlich ist es eine gute Idee, da Sub ja auch Probleme durch vorherige Erfahrungen haben könnte, aber die Art und Weise wie das ganze realisiert wird, finde ich nicht so toll und das thematisiere ich in einem eigenen Artikel über tabus 🙂

Als Sub sollte man Dominanz schätzen und sie sollte einem gefallen.

Auch wie bei den Subs gibt es hier wieder verschiedene Doms. Doms, welche lieber Wünsche erfüllt bekommen und Doms, die lieber eine/n brat haben wollen und mit ihr/ihm spielerisch „kämpfen“ wollen. Doms sind auch verschieden, das ist ebenfalls wichtig zu wissen!

Discipline

Dieses Wort ist das schwierigste Wort im Akronym BDSM. Es drückt die Art von Umgang zwischen Sub und Dom aus. Dom befiehlt und Sub macht. Viele Doms legen am meisten Wert auf dieses Wort. Ich sehe es als eine Art Grundstein des BDSM, ohne ihn wäre das Machtgefälle nicht möglich.

Übrigens heißt Disziplin nicht gleich, dass es keine brats geben darf. Es spiegelt wie gesagt eher die Dynamik zwischen Sub und Dom. Folgendes Beispiel sollte das zweite Wort in Akronym BDSM illustrieren:

Dom: Du warst heute aber nicht sehr brav, Kleine. Ich bin ehrlich gesagt etwas enttäuscht von deinem Verhalten heute.

Sub: Tut mir Leid Herr. Ich sehe ein, dass ich etwas Falsches getan habe und ich werde es nie wieder tun. Versprochen.

Diese Verhaltensweise kann übrigens nur durch sehr viel Vertrauen erreicht werden.

Machtgefälle

Das Machtgefälle dürfte wohl das sein, was den meisten BDSMlern (mich eingeschlossen) am meisten gefällt. Indem Sub Macht an Dom abgibt, entsteht es und es ist für die meisten einfach sexuell erregend.

Für Sub ist es das Gefühl ausgeliefert zu sein und sich nicht wehren zu können. Einfach nur gehorchen zu müssen, keine Macht zu haben. Es mag sich paradox anhören, dass so etwas Menschen gefällt. Daher habe ich in diesem Artikel ein Interview, in dem es über genau dieses Thema geht, durchgeführt. Ich als Dom finde diese Antworten wirklich interessant, da ich sonst immer nur von der anderen Seite das wahrnehme.

Für Dom ist es die Macht, die er von Sub bekommt. Der unendliche Gehorsam und die Möglichkeit alles mit Sub zu tun, was ihm / ihr beliebt. Die Demütigung und Erniedrigung von Sub ist eine weitere Sache, die erregend für Dom ist. Natürlich kommt hier auch der triviale Vorteil hinzu, dass man bestimmen kann, wann und was genau passiert.

Ein ungesundes Machtgefälle ist eins, in dem Dom seine Macht für Dinge ausnutzt, die nicht so vereinbart waren. Wenn zum Beispiel vereinbart war, dass keine bleibenden Spuren oder Schäden erlaubt sind und Dom Sub trotzdem eine Verletzung mit Narbe oder Ähnliches zufügt. In so einem Fall sollte Sub sich umgehend von Dom trennen.

Bondage

Bondage, das Fesseln ist oft ein Werkzeug, das genutzt wird, um ein Machtgefälle herzustellen oder ein bereits Vorhandenes auszubauen. Die dazu verwendeten Hilfsmittel können sein:

Das ist nur eine unvollständige Liste der Dinge, mit denen man Bondage machen kann. Streng genommen kann man mit allem Bondage machen, womit man eine Person Fesseln kann.

Das Machtgefälle kann natürlich extrem stark werden, indem man Bondage mit einbezieht. Das kann bei gefesselten Händen anfangen, geht aber bis hin zum Hogtie und anderen Ganzkörper-Fesselungen. Natürlich skaliert der gute Dom gerade am Anfang die Bondage-Intensität mit dem Vertrauen, dass von Sub entgegengebracht wird.

Bondage existiert auch außerhalb vom BDSM als eigener Kink. Dabei nennt sich der Fesselnde Rigger und der Gefesselte Ropebunny oder einfach nur Bunny. Gerade kunstvolles Fesseln wie im Shibari ist oft nicht dazu gedacht besonders lange stabil zu fesseln, sondern gut auszusehen.

Vertrauen

Es gehört auf jeden Fall eine Menge Vertrauen dazu, um solch ein Machtgefälle zu erschaffen. Logisch, niemand möchte von jemandem bewegungsunfähig gefesselt werden, dem er nicht vertraut.

In diesem Fall muss das Vertrauen aber weitaus größer sein, als es bei Vanilla Beziehungen zum Beispiel sein muss. Als Sub legt man ja tatsächlich sein Leben in die Hände des Doms. Wortwörtlich ist Sub darauf angewiesen, dass er nichts tut, was Sub nicht möchte.

Ohne Vertrauen kann Sub sich auch nicht während den Sessions fallenlassen. Sub kann sich nicht konzentrieren und muss dauernd über Dinge nachdenken wie „Macht er alles richtig“, „Wird er aufhören, wenn ihn darum bitte“ oder „Weiß er auch wovon er redet?“.

Sub sollte sich stattdessen während der Session fallen lassen können mit den Gedanken: „Mein Dom passt auf mich auf. Er weiß was er tut und ich kann ihm Vertrauen, dass er mich nicht wirklich zerstört.“

Aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen, dass das uneingeschränkte Vertrauen einer Sub zum Dom etwas sehr Schönes-, auch zwischenmenschlich oder vor allem zwischenmenschlich gesehen, ist. Es verbindet zwei Menschen auf eine sehr intensive Art und Weise.

Dieses sehr intime und intensive Vertrauen erzeugt auch ein geborgenes Gefühl in Sub, wenn Sub bei Dom ist. Meiner Meinung nach intensiviert es auf gewisse Weise auch die Intensität einer Beziehung.

Sadismus und Masochismus

Zum Thema Sadimus und Masochismus habe ich einen eigenen Artikel geschrieben 🙂 Es gehört auch zu BDSM, jedoch gibt es viele BDSMler, die weder Sadisten noch Masochisten sind. BDSM funktioniert auch ganz ohne Schmerzen.

Man kann leicht mit Schmerzen anfangen, indem man spankt. Das ist nur ein fancy wort für auf den Hintern schlagen. In dem Artikel über spanking habe ich dir zusammengestellt worauf du achten musst.

Generell ist Sadismus und Masochismus eine der Sachen, die am einfachsten Spuren hinterlässt. Also wenn ihr nicht erwischt werden wollt, passt auf, an welcher Stelle des Körpers ihr was macht 😉

Eine weitere Möglichkeit Schmerzen auszuteilen sind Reizstromgeräte. Erhöht man die Intensität, wird es immer Schmerzvoller, bis es sich irgendwann garnicht mehr gut, sondern nur noch schmerzhaft anfühlt.

Strafen und Belohnungen

Strafen und Belohnungen können bei jeder Sub anders aussehen. Meine Sub zum Beispiel steht entgegen dem Standard darauf, meine Füße zu küssen und ab zu lecken. Für andere Subs wäre es vielleicht eine Strafe, wenn ich sage „Küss meine Füße, Sklavin“, aber für sie ist es eindeutig eine Belohnung.

Generell sind Strafen dafür da, dass Sub sich besser benimmt. Dazu muss man aber auch wirklich Strafen benutzen und keine Funishments. Mehr zu Punishment vs Funishment gibts bei Strafen.

Mein Freund / Meine Freundin steht auf BDSM – Was tun?

Dein Freund oder deine Freundin steht auf BDSM, wenn dir das Angst macht oder dich unwohl fühlen lässt, sei beruhigt: BDSM ist nichts Schlimmes. Zuerst mal solltest du dir den ganzen Artikel hier durchlesen, falls du das noch nicht getan hast.

Wie du gelesen hast, ist BDSM nichts Schlimmes, was leider viele Leute davon denken.

Du hast einige Möglichkeiten zu reagieren:

  • Wenn du dir den Artikel durchgelesen hast und feststellst, dass dir BDSM gefällt, dann kannst du ihm/ihr das sagen. Er/Sie wird sich wahrscheinlich sehr freuen.
  • Wenn du denkst, dass es dir gefallen könnte, aber du dir noch nicht sicher bist, dann empfehle ich dir einige Geschichten zum Thema BDSM zu lesen. Danach solltest du ein besseres Bild davon haben, ob BDSM dir gefällt oder nicht. Hier sind einige Geschichten, die dir eine Idee geben sollten:
  • Wenn du dir immer noch nicht sicher bist, dann solltest du das deinem Partner / deiner Partnerin sagen. Kommunikation ist bei sowas enorm wichtig. Formuliere es so, dass du offen bist es auszuprobieren, aber dir noch nicht sicher bist, ob es etwas für dich ist.
  • Wenn du denkst, dass dir sowas nicht gefallen wird, dann ist das erstmal auch nichts Schlimmes. Du solltest ihm/ihr mitteilen, dass dir so etwas nicht gefällt. Am besten fügst du noch etwas hinzu wie „Das ändert aber nichts daran, dass ich dich liebe“ oder Ähnliches. Denn er/sie ist immer noch die gleiche Person, die er/sie davor war. Verurteile ihn auf keinen Fall für seine Neigungen, darunter könnte euer Vertrauen sehr stark leiden.

Wichtig ist, das kann ich nur noch einmal betonen, dass ihr offen über sowas sprechen könnt. Es sollte nichts Schlimmes sein über Neigungen und was man mag und nicht mag zu reden. Neigungen ändern eine Person nämlich nicht, sie sind Teil von der Person, die du kennst und (eventuell) liebst.

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