„Ja Daddy!“, als ich diese Worte vor einiger Zeit zum ersten Mal hörte, war ich gehörig überrascht. So alt bin ich doch noch gar nicht, schoss es mir durch den Kopf.

Die junge Dame schien mein Unbehagen zu fühlen und sagte zu mir: „Ich habe einen Daddy Kink!“, stand also auf DDLG. Das war etwas, was mir bisher noch nicht begegnet war, obwohl ich bereits seit 26 Jahren in der BDSM Szene unterwegs bin. Grund genug, mich ein wenig näher mit dem Thema zu beschäftigen.

Tom ist ein BDSMler der bereits seit 26 Jahren Dom ist und sich gut in der Szene auskennt. Heute hat er für bdsm-world einen Gastartikel zum Thema DDLG geschrieben.

Was bedeutet DDLG?

Bei dieser besonderen Form des BDSM, geht es um die Beziehung zwischen einem Little (Kleines) und einem Caregiver (Fürsorger). Der Fürsorgende wird bei dieser Form von seinem Little gerne als Daddy oder Mommy bezeichnet.

Über die genauen Ursprünge findet man nur wenig, aber das Akronym stammt aber aus dem Englischen und steht für Daddydom and little Girl. Es ist eine Spielart bei der die Sub die Rolle eines zumeist jüngeren Kindes in der Obhut eines uneingeschränkt Erziehungsberechtigten schlüpft.

Natürlich existieren auch Konstellationen, in denen Sub männlich ist und Dom weiblich. Diese und alle anderen Konstellationen werden unter dem Begriff Caregiver/Little oder auch CGL abgekürzt.

Sexuell erregender Aspekt

Genau wie bei generellem BDSM ist das Machtgefälle meistens für sowohl Sub als auch Dom, also Little und Caregiver erregend. Dieses Machtgefälle kann zum Beispiel mittels Handschellen (hier meine Empfehlung) oder Spanking passieren.

Wieso genau es devoten Leuten gefällt sich zu unterwerfen, wird in diesem Artikel genauer erklärt.

Gerade beim DDLG geht die Verfügungszone noch weiter über das Sexuelle hinaus.

Dazu können zum Beispiel Dinge gehören wie:

  • Schlafenszeit bestimmen
  • Handy/Laptop/Medienzeit begrenzen
  • Hausarbeiten, Hausaufgaben oder anderen Arbeiten machen lassen
  • Essen aufessen lassen
  • Kleidung auch im Alltag bestimmen

Diese erinnern Little auch im Alltag daran, dass der Caregiver die Kontrolle und Macht hat. Das kann zusätzlich reizen, außerhalb der Sessions das Machtgefälle aufzubauen.

Was macht ein Little aus?

Ich benutze hier ausdrücklich das Wort „little“, denn anders als im Begriff „ little girl“ gibt es bei dieser Spielart natürlich auch männliche Subs. Das besondere der Littles ist Ihr „zurückfallen“ in eine bestimmte Zeit der Kindheit oder – seltener –  der Jugend.

In der Szene wird das Littlespace genannt. Die meisten Littles definieren Ihr Alter im Littlespace selbstständig. Beispielsweise 3 Jahre alt.

Im Littlespace beschäftigen sich viele Littles mit dem was sie in ihrer Kindheit geliebt haben. Malbücher, Stofftiere, Kinderfilme, oder Fischstäbchen, wären da nur einige Dinge, die zu nennen sind. Auch ein Schnuller zur Beruhigung wird gerne genommen, wenn Daddy/Mommy gerade mal nicht in der Nähe sind.

Das Verhalten ist im Littlespace dem eingenommenen Lebensalter entsprechend. Es wird gerne auf Kleinkinderart gesprochen, Grenzen ausgetestet und geschnallt, wenn etwas nicht so ist, wie es sein soll. Mommy/Daddy werden angehimmelt und sind das Maß aller Dinge.

Die meisten Littles wünschen sich im Littlespace dauerhafte Aufmerksamkeit und versuchen dies mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu erreichen. Dass es dabei zu Strafmaßnahmen kommt, ist den Littles klar, aber auch eine Strafe, wie das Poversohlen ist eine besondere Form der Aufmerksamkeit. Und Aufmerksamkeit ist Aufmerksamkeit.

Wieso sind Littles gerne Littles?

Im Alter von drei Jahren ist bei vielen Kindern das Leben noch intakt. Man wird umsorgt und kann sich ums neugierig sein oder das Spielen definieren. Böse Monster werden von den Eltern vertrieben, bzw. die Eltern sind der Schutzwall vor allem Übel in der Welt. Das Kind ist glücklich.

Im Laufe des Erwachsenwerdens, wünschen sich viele Menschen diese Zeit in ihrem Leben zurück. Littles schaffen sich diesen Freiraum,  indem sie im Littlespace in diese Glückliche Zeit zurückfallen. Im Littlespace sieht die Welt anders aus. Daddy/Mommy ist wieder schützend da und sorgt dafür, dass es dem Little gut geht.

Die meisten Littles mit denen ich in Kontakt gekommen bin, unterscheiden klar und deutlich zwischen Littlespace und Adulting (Erwachsene sein müssen).

Bin ich Little?

Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten. Das Kind im Erwachsenen ist bei jedem mehr oder weniger stark vorhanden. Es gibt in vielen D/s Beziehungen Zeiten, in denen Der/Die Sub an ein überzogenes Kind erinnert und Provoziert.

Wenn aber der Littlespace bewusst aufgesucht wird, weil sich das als einzig sichere Welt erscheint, liegt die Vermutung nahe.

Was ist ein Caregiver?

Die Rolle des Fürsorgenden ist bei dieser Spielart klar definiert. Mommy/Daddy schenkt die notwendige Aufmerksamkeit, spielt mit und beschützt das Kind. Der Fürsorgende ist strenger Erzieher und riesiges Kuscheltier zugleich.

Daddy/Mommy sorgt für die Leibspeise, bestimmt den Lebensalltag, kümmert sich um Körperhygiene und bestraft streng und konsequent renitentes Verhalten, ebenso wie er/Sie lobt und belohnt, wenn der/Die Little etwas besonders gut gemacht hat oder besonders brav war.

Je nach Littles Alter kann es sich auch um Dinge wie Windelwechsel handeln oder die Übernahme von Bädern oder Zahnhygiene.

Eigne ich mich zum Caregiver?

Grundsätzlich sollte jeder Dom Verantwortung tragen. Er ist für das Wohlbefinden seiner/seines Sub verantwortlich. Allerdings erfordert es noch eines deutlich verantwortlicheren Handelns.

Das Little braucht seinen Dom und das am liebsten rund um die Uhr. Fürsorger müssen sehr genau darauf achten,  wie sie mit dem Little umgehen. Eine Weile nicht mit der Sub zu reden mag okay sein. Ein Little kann daran zerbrechen.

Auch lehnen einige Littles Sexualität im Littlespace ganz klar ab. (Was in Bezug auf das Littlealter wohl auch nicht verwunderlich ist) Kann ich als Fürsorger nicht damit leben  dann bin ich bei der Spielart DDLG ganz klar falsch.

Ist das alles kein Fremdwort für mich, dann sollte ich es einfach mal versuchen. Du kannst dir zur Hilfe dieses kostenlose 7 Tage Online Training zum guten Dom nehmen, darin lernst du die Grundlagen über BDSM und mehr!

Meine ersten Erfahrungen als Caregiver

Meine ersten eigenen Erfahrungen mit DDLG zeigen mir, dass ich durchaus das Zeug zu einem Daddy habe. Ich kann es mir noch nicht wirklich vorstellen, dauerhaft eine DDLG Beziehung zu führen, die rein asexuell ist, aber den Blick der Little, die mich mit riesigen Augen anschaute, den Daumen aus dem Mund nahm und „Ja Daddy!“ sagte, fand ich einfach bezaubernd.

Daher versucht Euch, aber seid Euch Bewusst, dass eine ungeheure Verantwortung als Daddy/Mommy von Euch ausgeht. Schaut als Little genau hin, ob es Euch so gut gefällt bevormundet zu werden Euren Daddy oder Eure Mommy eben nicht 24 Stunden am Tag bei Euch haben zu können.

Vor allem aber nehmt Euch Ernst. Gegenseitig und Euch selbst. Dann steht dem DDLG im Prinzip nichts im Wege.

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